Nutzung von Erbsen aus eigenem Anbau

Isabella Munder, Sarah Wochner
Erstellt: 23.12.2021
Heimische Körnerleguminosen werden in der Schweinemast immer seltener eingesetzt. Grund hierfür ist die überwiegende Proteinversorgung mit Soja und Sojaprodukten, deren Inhaltsstoffe gut zum Bedarf der Schweine passen. Es kann aber dennoch sinnvoll sein, andere Leguminosen wie Erbsen oder Ackerbohnen in die Ration aufzunehmen. Dieser Artikel stellt den Betrieb Leonhard vor, der selbst angebaute Erbsen für die Fütterung seiner Schweine nutzen möchte. Bei der Überlegung, verstärkt Körnerleguminosen in der Fütterungsration einzusetzen, zeigt sich oft deutlich die Notwendigkeit von öffentlichen Förderprogrammen. Förderprogramme wie „Umweltmaßnahmen, Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung" (EULLE) oder das „Förderprogramm für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl“ (FAKT) machen den Anbau von Körnerleguminosen teilweise erst attraktiv für die Landwirte. In Kombination mit dem Anbau zur eigenen Verwertung auf dem Betrieb, plus der ackerbaulichen Vorteile der Körnerleguminosen, können sich so wirtschaftlich lohnende Systeme etablieren.

Erbsen auf dem Betrieb Leonhard

Anbau und Nutzung von Erbsen auf dem Betrieb Leonhard

Peter Leonhard baut bereits seit zwei Jahren auf rund 25 Hektar Erbsen an. Auf seinem Schweinezuchtbetrieb hält er rund 105 Sauen der Rasse Schwäbisch Hällisches Landschwein. Er plant, seine Schweine ab dem Jahr 2021/2022 mit Erbsen zu füttern. Hierbei möchte er vor allem bei den niedertragenden Sauen und in der Endmast die Erbse in seine Rationen integrieren. Durch die Erbse wird er die bisher 125 Tonnen zugekauftes Donau Soja reduzieren und plant eine Ersparnis von ca. 37,5 Tonnen Soja durch den Einsatz von Erbsen. Die dadurch resultierende Kostensenkung, zusammen mit den Fördermitteln aus dem Entwicklungsprogramm “Umweltmaßnahmen, Ländliche Entwicklung, Landwirtschaft, Ernährung” (EULLE)“, machen die Erbse zu einem lohnenswerten Fruchtfolgeglied auf seinem Betrieb. Ähnlich des baden-württembergischen Förderprogramms für Agrarumwelt, Klimaschutz und Tierwohl (FAKT), fördert EULLE den Anbau von Erbsen mit 90€ pro Hektar der landwirtschaftlichen Nutzfläche (abzüglich Brache und ökologischen Vorrangflächen), sofern sie mindestens 10% der Fruchtfolge ausmachen. Beim Start dieses Förderprogramms wurden vorrangig schweinehaltende Betriebe aufgenommen.

Der Marktpreis für die Erbsen liegt derzeit zwischen 16 und 18 Euro pro Dezitonne, was ohne die Förderung den finanziellen Aufwand nicht decken würde. Aufgrund des niedrigen Marktpreises möchte Peter Leonhard seine Erbsen nicht mehr verkaufen, sondern auf dem eigenen Betrieb nutzen.  Dadurch spielt künftig der niedrige Verkaufspreis eine untergeordnete Rolle auf dem Betrieb. Doch nicht nur die Fördermöglichkeiten machen die Erbse finanziell attraktiv, Herr Leonhard beobachtet auch einen besonders guten Vorfruchtwert dieser Kulturpflanze. Zur Erbse erfolgt eine einmalige Gabe von 30 kg Stickstoff. In der Fruchtfolge baut Peter Leonhard nach der Erbse Wintergerste an, bei der er pro Hektar normalerweise jeweils 130 kg Stickstoff auf seiner Fläche ausbringt. Mit der Erbse als Vorfrucht reduziert sich sein Aufwand um 50–60 kg Stickstoff pro Hektar.

Auch wirkt sich die Aufnahme der Erbse in die Fruchtfolge positiv hinsichtlich der Unterbrechung von Infektionsketten bei bodenbürtigen Krankheitserregern aus. Bei der Unkrautregulierung können gerade Ungräser wie der Ackerfuchsschwanz durch den Wechsel von Sommerungen und Winterungen in Schach gehalten werden. Damit leistet die Erbse auch einen wertvollen Beitrag zur Reduktion von Pflanzenschutzmitteln, bzw. wirkt sie der Bildung von Resistenzen gegen diese vor.

Seiner Einschätzung nach hat Herr Leonhard Kapazitäten von rund 25 Hektar Erbsen in der Schweinefütterung. Auf den eher schlechten Böden, die besonders flachgründig und steinreich sind, konnten bisher Erträge von 1,9 Tonnen pro Hektar verzeichnet werden. Die geringen Erträge führt er, neben den schlechten Böden, auf den hohen Unkrautdruck in seinen Kulturen zurück. Aufgrund ihrer langsamen Jugendentwicklung sind Erbsen konkurrenzschwach gegenüber Unkräutern und Ungräsern. Auch eine Spätverunkrautung wirkt erschwerend auf den Mähdrusch und macht oft eine anschließende Trocknung des zu feuchten Erntegutes notwendig. Damit hat eine gelungene Pflanzenschutzstrategie immer einen direkten Einfluss auf den Ertrag. Der Pflanzenschutz fängt schon vor der Aussaat mit einer optimalen Saatbettbereitung  und der präzisen Aussaattechnik an. Ein sich gleichmäßig entwickelnder Bestand bietet konkurrierenden Unkräutern erschwerte Wachstumsbedingungen. Neben den vorbeugenden und mechanischen Optionen stehen dem Landwirt auch wirksame Herbizide für den Vor- und Nachauflauf zur Verfügung. Sich laufend ändernde Produktzulassungen und Anwendungsbestimmungen für Pflanzenschutzmittel erschweren es dem Landwirt bei einem etablierten System zu bleiben. Flexibilität in der Pflanzenschutzstrategie ist darum von Nöten. Herr Leonhard ist ständig bestrebt darin, seine Pflanzenschutzstrategie weiter zu verbessern und so Erträge von bis 3 Tonnen zu erzielen. Seine Bestände im Jahr 2021 entwickeln sich prächtig und er ist optimistisch, diese Ertragsmarke dieses Jahr einfahren zu können.

 

Schwäbisch-Hällische Schweine auf dem Betrieb Leonhard

 

Leguminosenanbau auf dem Betrieb

Bis vor drei Jahren wurden zusätzlich Ackerbohnen und Lupinen angebaut. Beim Anbau der Lupine war Herr Leonhard mit der Ertragsentwicklung durchaus zufrieden, jedoch kam es regelmäßig zu einem hohen Ernteverlust durch ein ungleichmäßiges Abreifen der Hülsen. Dies veranlasste den Betrieb diese Kulturart aus seiner Fruchtfolge zu streichen. Hier muss die Züchtung seiner Meinung nach weiter an einer entsprechenden Hülsenplatzfestigkeit der Sorten arbeiten. Für den Anbau der Ackerbohnen war der flachgründige Standort (30 Bodenpunkte) zu trocken, was sich in geringen Erträgen von ca. drei Tonnen widerspiegelte. Da die Erbse auf trockenen Standorten besser gedeiht und zudem einen geringeren Tanningehalt aufweist, entschied sich Herr Leonhard zu einem Wechsel der Ackerkultur. Tannine können durch ihren bitteren Geschmack die Futteraufnahme reduzieren, bei hohen Tanningehalten kommen zudem eine verminderte Rohproteinverdaulichkeit und Bindung von Enzymen als ungewünschte Eigenschaften hinzu. Auf dem Betrieb werden Erbsen der Sorte Astronaute gepflanzt, welche sich vor allem durch ihre hohe Standfestigkeit auszeichnet, was bei der Ernte einen großen Vorteil bringt. Zusätzlich wird auf dem Schweinezuchtbetrieb ein französisches Schneidwerk verwendet, welches einen möglichst tiefen Schnitt und eine vollständige Aufnahme der Pflanze gewährleistet, sodass kaum Ernteverluste entstehen. Wo beim Einsatz eines gängigen Getreideschneidwerks 10-15% Ernteverluste auftreten, verzeichnet man mit dem französischen Schneidwerk nur Verluste um die 5%. Trotz der zusätzlichen Rüstzeit für das französische Schneidwerk sieht Peter Leonhard hier eine lohnenswerte Investition, die sich in einem dementsprechenden Mehrertrag äußert.

Da Herr Leonhard die Erbse erst im kommenden Jahr den Schweinen füttern wird, kann er keine Einschätzung zur Verträglichkeit und Leistung seiner Tiere abgeben. Er ist aber zuversichtlich, dass er wie beim Anbau auch bei der Fütterung seiner Tiere positive Ergebnisse erzielen wird. Bevor die gelagerten Erbsen in der Fütterung zum Einsatz kommen, möchte Herr Leonhard diese auf ihre Inhaltsstoffe hin analysieren lassen. Als Komponente in der Mischung sollen sie nicht weiter behandelt werden.

 

Auf rund 25 Hektar baut Peter Leonhard Erbsen für die Fütterung seiner Schweine an.

 

Fazit

Der Vorfruchtwert und die Arbeitszeitersparnis aufgrund des reduzierten Pflanzenschutzmitteleinsatzes sind gute Argumente für den Anbau der Erbse. Lohnend ist der Anbau der Erbsen aber hauptsächlich, wenn die Leguminosen im eigenen Betrieb verfüttert werden können. Auch für den Zukauf von Erbsen sei der Markt mit seinen derzeitigen Preisen gut ausgelegt, da man die Leguminose zu einem günstigen Preis beziehen kann. Produziert man die Feldfrucht jedoch nur für den Verkauf, lohnt sich dies nur mit Fördermöglichkeiten wie dem EULLE-Programm. Ohne diesen finanziellen Ausgleich würde Peter Leonhard heute vermutlich nicht mehr in den Anbau einsteigen. Hindernisse im Anbau der Erbse sieht Herr Leonhard in der geringen Verfügbarkeit an geeigneten Pflanzenschutzmitteln, was den Anbau der Erbse zu einer großen Unsicherheit werden lässt, die sich in der geringeren Nachfrage im Anbau widerspiegelt. Ebenso fehlen den Landwirten der Überblick und der Zugang zu arbeitserleichternden, technischen Lösungen im Erbsenanbau. Der Markt sei momentan noch nicht auf einen vermehrten Anbau von Erbsen ausgelegt. Die Verfügbarkeit von geeigneten Maschinen müsste z.B. über den Maschinenring besser gewährleistet werden.

Da Peter Leonhard die letzten Jahre positive Erfahrungen mit dem Erbsenanbau gemacht hat und von ihrem Wert für den Betrieb überzeugt ist, würde er ohne Förderung dennoch weiterhin Erbsen anbauen, jedoch die Anbaufläche reduzieren.

 

 

Quellen

Jeroch, H., Lipiec, A., Abel, H., Zentek, J., Grela E. und Bellof, G., 2016. Körnerleguminosen als Futter- und Nahrungsmittel, DLG-Verlag.

Sauermann, W., Gronow, J. und Specht, M., 2016. Anbauratgeber Körnerfuttererbse, Hrsg.: UFOP Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V.

Völkel, G. und Vogt-Kaute, W., 2013. Körnerleguminosen in der Fruchtfolge, in Körnerleguminosen anbauen und verwerten, Hrsg. KTBL.

Sauermann, W., Gronow, J., Specht, M. und Sass, O., 2016. Praxisinformation: Anbauratgeber Körnerfuttererbse. UFOP Union zur Förderung von Öl- und Proteinpflanzen e.V.

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  • Erbsen auf dem Betrieb LeonhardFoto: Peter Leonhard
  • Schwäbisch-Hällische Schweine auf dem Betrieb LeonhardFoto: BESH
  • Auf rund 25 Hektar baut Peter Leonhard Erbsen für die Fütterung seiner Schweine an.Foto: Peter Leonhard

Über diesen Artikel

AutorInnen: Isabella Munder, Sarah Wochner
HerausgeberIn: Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH)

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Zitierung: Munder, I. und Wochner, S., 2021. Nutzung von Erbsen aus eigenem Anbau. Legume Hub. www.legumehub.eu

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