Erbsenanbau für die Schweinemast

Isabella Munder, Sarah Wochner, Astrid Heid
Erstellt: 02.08.2021
Um die Eiweißversorgung in der Schweinemast zu gewährleisten, wird überwiegend Sojaextraktionsschrot eingesetzt. Allerdings bietet die Fütterung von anderen Körnerleguminosen, wie zum Beispiel Erbse oder Ackerbohne, eine regionale Alternative zur bedarfsgerechten Aminosäureversorgung der Tiere. Besonders rentabel ist dieses Modell beim Anbau dieser Kulturpflanzen für die eigene Verfütterung. Diese Practice Note stellt den Betrieb von Martin Hanselmann vor, der selbst angebaute Erbsen für die Fütterung seiner Schweine nutzt.

Schwäbisch Hällische Schweine auf Stroh.

 

Ergebnis

Gerade auf Betrieben, die ihre Schweine über Qualitätsfleischprogramme vermarkten und dabei Richtlinien zum Einsatz gentechnikfreier oder regionaler Futtermittel befolgen, ist der Einsatz von heimischen Körnerleguminosen ein geeigneter Weg, die eigenen Produktionskosten zu senken. Denn gentechnikfreies Sojaextraktionsschrot, das aus Europa bezogen wird, ist teurer als konventionelle Ware. Sowohl Ackerbohnen als auch Erbsen können gute Erträge in Süddeutschland erzielen, haben einen hohen Vorfruchtwert und bieten hohe Rohprotein- und Energiegehalte. Unter Berücksichtigung der Einsatzempfehlungen für eine bedarfsgerechte Nährstoffversorgung von Schweinen, mit einer Analyse von Proteingehalten und Aminosäuremustern, ist ein Austausch des Sojas durch andere Körnerleguminosen in gewissem Umfang möglich. Jedoch müssen stets auch die betriebsinternen Gegebenheiten wie Anbaubedingungen, Lagermöglichkeiten und Fütterungstechnik betrachtet werden und vom Betriebsleiter in individuelle Entscheidungen miteinbezogen werden. Nur wenn alle Faktoren berücksichtigt werden, kann der Austausch von Soja gegen andere Eiweißkomponenten ein gewinnbringender Faktor werden.

 

Der Betrieb von Martin Hanselmann

Martin Hanselmann hält auf seinem Nebenerwerbsbetrieb 550 Schwäbisch-Hällische Mastschweine inklusive einer angegliederten Ferkelaufzucht. Die ebenfalls am Hof angesiedelte Sauenhaltung gab er aufgrund der höheren Termingebundenheit, z.B. durch einzuhaltende Besamungstermine oder Absetzrhytmen, auf. Jedoch kann das ehemalige Gebäude weiterhin für die Vormast genutzt werden. Dort werden die Tiere auf Tiefstreu gehalten. Seit 2013 leben die Mastschweine auf dem Betrieb in einem Pigport 3-Stall. Der Kontakt zur Frischluft und die damit erhöhte Luftumwälzung im Stall, die für eine niedrigere Keimbelastung im Tierbereich führt, waren Martin Hanselmann bei der Wahl des Stalls sehr wichtig.

Erbse in der Blüte.

Die in der Mast verwendeten Futterkomponenten Weizen, Gerste, Triticale, Mais und Erbse baut er auf rund 35 Hektar Ackerfläche selbst an. Die Erbse nimmt dabei 10% der Ackerflächen ein. Da die Erbse nicht selbstverträglich ist, ist eine weite Fruchtfolge Bedingung für den Anbau. Bei Martin Hanselmann ist diese mit einer achtgliedrigen Fruchtfolge gewährleistet. Vor der Umstellung auf den Erbsenanbau wurde auf dem Betrieb Raps angebaut. Da dieser aber nicht mehr konkurrenzfähig war, wurde eine neue Komponente in der Fruchtfolge gesucht. Die Anforderungen an die ökologischen Vorrangflächen konnten mit dem Erbsenanbau damals optimal erfüllt werden und der Betrieb integrierte die Erbse in seine Fruchtfolge. Die Erbse hinterlässt ein besonders lockeres Saatbeet für die nachfolgende Frucht und reichert durch ihre Symbiose mit Knöllchenbakterien Stickstoff im Boden an, der das Wachstum der Folgefrucht fördert, sowie Düngemittel einsparen lässt. Besonders bei der Folgefrucht Getreide konnte Hanselmann einen deutlichen Mehrertrag nach der Erbse feststellen. Aus diesem Grund muss der Erbse nicht nur ein Futterwert, sondern auch ein Fruchtfolgewert angerechnet werden. Durch die häufiger auftretende Sommertrockenheit sei der schwere Boden (lehmiger Ton) – eigentlich ein für Ackerbohnen geeigneter Standort – besser für den Erbsenanbau geeignet. Dennoch schwanken die Erträge zwischen 25 und 40 dt/ha. Um den Erbsenanbau attraktiver für Landwirte werden zu lassen, ist eine intensivere Forschung zu optimalen Anbaumethoden und züchterischem Fortschritt, gefolgt von einer guten Beratung zum Leguminosenanbau, ausschlaggebend. Ein zusätzlicher Grund für die Tatsache, dass nur wenige Landwirte Erbsen anbauen, sieht Martin Hanselmann vor allem im zeitlichen Aufwand. Im Gegensatz zu anderen Feldfrüchten wird die Erbse im Frühjahr gesät, wohingegen die Aussaat vieler anderer Feldfrüchte im Herbst stattfindet. Dadurch entstehen zusätzliche Rüstzeiten, sowie ein höherer technischer Aufwand, da für die Erbse häufig andere Geräte verwendet werden müssen.

Neben den oben beschrieben Vorteilen des Erbsenanbaus in der Fruchtfolge liegt der Hauptgrund des Anbaus bei Herrn Hanselmann aber in der von ihm gewünschten Vielfalt in der Futterration seiner Mastschweine (Tabelle 1). Gefüttert werden die Erbsen bei ihm sowohl in der Mittel- als auch in der Endmast mit 5% Erbsen in der Ration. Triticale hat als Kreuzung aus Roggen und Weizen eine futterphysiologische Funktion, durch den erhöhten Anteil an Ballaststoffen erhält er die Darmgesundheit und weist eine höhere Phosphorverdaulichkeit gegenüber anderen Getreidearten auf. Weizen dient als Energieträger und die Erbse ergänzt die gut verdauliche Basiskomponente Sojaschrot als weiterer Eiweißträger. Des Weiteren wird Rapsschrot als Eiweiß- und Rohfaserkomponente eingesetzt. Ergänzt wird dies durch eingesäuertem Mais, der als Ganzkorn mit dem Getreide vermischt und als komplette Ration geschrotet wird. Die Erbse muss für die Fütterung nicht erhitzt werden und kann unverarbeitet eingesetzt werden. Dies ist ein Vorteil gegenüber dem Sojaschrot, da eine Möglichkeit zur Erhitzung der Futtermittel auf dem Betrieb nicht gegeben ist und eine Inanspruchnahme externer Dienstleister zusätzliche Kosten verursacht.

Tabelle 1. Die genaue proozetuale Zusammensetzung der Rationen

Die Schweine vermarktet Martin Hanselmann über die Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH). Den Richtlinien des Qualitätsfleischprogrammes der BESH entsprechend füttert der Betrieb ausschließlich gentechnikfrei. In der Fütterung hat die Gentechnik für den Landwirt keinerlei Vorteile. Als Erzeuger möchte er dem Verbraucher ein hochwertiges Produkt bieten und dazu gehöre auch die Umweltverträglichkeit der eingesetzten Produktionsfaktoren. Hanselmann kann sich aus diesem Grund keinen Anbau von gentechnisch veränderten Pflanzen vorstellen.

 

Fazit

Aufgrund des langjährigen Einsatzes der Erbse hat Martin Hanselmann keinen Vergleich zu anderen Rationen ohne Erbsen. Die Mastleistung der Schwäbisch Hällischen Schweine von Martin Hanselmann bleibt durch den Einsatz der Erbsen unverändert. Er ist überzeugt, dass den Tieren eine möglichst große Vielfalt in der Ration zu Gute kommt, ähnlich der vielfältigen Ernährung beim Menschen. Zusätzlich sorgt die Futterdiversität für eine Vielfalt des Aminosäuremusters. Aus diesem Grund versorgt Martin Hanselmann seine Tiere weiterhin mit Erbsen.

 

Weiterführende Informationen

Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH), 2020. https://www.legumehub.eu/de/koernerleguminosen-in-der-fuetterung-von-nutztieren/schweine/ 

Quellen

LfL Information: Erbse - heimischer Eiweiß- und Stärkelieferant. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL, Hrsg.), 2013. Freising – Weihenstephan. www.lfl.bayern.de/mam/cms07/publikationen/daten/informationen/erbsen.pdf

Demonstrationsnetzwerk Erbse / Bohne, website: www.demoneterbo.agrarpraxisforschung.de/

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  • Schwäbisch Hällische Schweine auf StrohPhoto: BESH
  • Erbse in der BlütePhoto: Matthias Rauch

Über diesen Artikel

AutorInnen: Isabella Munder, Sarah Wochner, Astrid Heid
HerausgeberIn: Bäuerliche Erzeugergemeinschaft Schwäbisch Hall (BESH)

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Danksagung: Legumes Translated wird von der Europäischen Union im Rahmen des Forschungs- und Innovationsprogrammes Horizon 2020 unter dem Fördervertrag Nr. 817634 gefördert.
Zitierung: Isabella Munder, Sarah Wochner, Astrid Heid, 2021. Erbsenanbau für die Schweinemast. Legume Hub. www.legumehub.eu

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